HANDBALL


Marius Timofte macht sich nie Sorgen

Wie der Trainer des Handball-Regionalligisten MTV Rheinwacht Dinslaken die Hinrunde beurteilt

 

 

Dinslakens einziger Kreisläufer Nik Dreier hat zuletzt unter Beweis gestellt, dass er auf einem guten Weg ist. Markus Joosten

Nein, ernsthafte Sorgen habe er sich nicht gemacht, als sein Team nach fünf Spieltagen immer noch ohne Sieg im Tabellenkeller feststeckte. „Ganz einfach, weil ich genau gesehen habe, was nicht lief und weil ich mir sicher war, dass wir es schaffen, diese Probleme abzustellen. Wir haben einfach Zeit gebraucht“, sagt Marius Timofte. Der Trainer des MTV Rheinwacht sollte mit seiner Einschätzung Recht behalten. Am Jahresende steht der Dinslakener Handball-Regionalligist mit einem ausgeglichenen Punktekonto von 14:14 und Platz neun deutlich besser da, als es der Fehlstart mit 1:9-Zählern erwarten ließ.

In einer weitgehend sehr ordentlich verlaufenen Sommervorbereitung hatte es zwar auch den ein oder anderen Dämpfer gegeben, doch die Erwartungen der Anhänger waren geweckt. Allerdings lief es schon beim 25:25 zum Auftakt daheim gegen die SG Langenfeld nicht wirklich rund. Es folgte die klare 21:28-Schlappe bei der HSG Refrath/Hand, für den Trainer im Rückblick „das einzige Spiel, in dem wir nie wirklich Fuß gefasst haben.“ Bei den folgenden Niederlagen gegen die Dormagener Reserve, in Korschenbroich und in Remscheid agierte der MTV über weite Strecken mindestens auf Augenhöhe. Nur Nuancen gaben am Ende den Ausschlag. „Wir haben es nicht geschafft, bis zur letzten Sekunde hundertprozentig konzentriert zu sein. Oft war die Chancenverwertung unser Problem, manchmal hat auch einfach die Geduld gefehlt und wir haben zu viel mit der Brechstange versucht“, sagt Timofte.

Für den gebürtigen Rumänen war darüber hinaus auch die Integration der Neuzugänge ein Thema. Die habe einfach noch etwas mehr Zeit gebraucht, zumal es vor der Saison auf einigen Positionen Veränderungen gab. Ein gefühlter Neuzugang nach langer Knieverletzung war dabei auch Torhüter Dean Christmann, mit dem sich der Coach sehr zufrieden zeigt: „Dean hat von Anfang an seine Leistung gebracht und sich auch im Zusammenspiel mit der Deckung immer weiter verbessert.“ Auf den Außenpositionen wären dann Niklas Kölsch und John Krölls ebenfalls recht schnell angekommen und hätten die nötige Sicherheit gefunden. Auch mit der Entwicklung von Torsten Sanders auf Halbrechts, der einen großen Sprung aus der Verbandsliga machte, wo er zuvor für die HSG Wesel seine Tore warf, ist der Übungsleiter mehr als einverstanden: „Torsten wird immer besser und hilft uns sehr. Auch in der Deckung hat er sich schon gesteigert. Ich habe mir das letzte Spiel gegen Langenfeld noch einmal angesehen. Da hat er hinten gar nichts anbrennen lassen.“

Neben seinen beiden erfahrensten Akteuren, Kapitän Philipp Tuda und Maximilian Reede, auf die er sich „immer tausendprozentig verlassen“ könne, lobt Timofte mit Fabian Hoffmann auch einen weiteren „Mittelblocker“ und Rückraumakteur explizit: „Er ist immer in der Lage für Gefahr zu sorgen, wenn er von der Bank kommt und kann vieles von dem, was ich vorgebe, sofort umsetzen.“ Als durchaus lohnenswert habe sich auch der Schachzug erwiesen, MTV-Urgestein Jonas Höffner als alternativen Spielmacher aufzubauen: „Er hat das schon sehr gut gemacht. Es ist natürlich auch eine Umstellung, wenn du auf der Mitte plötzlich eine ganze Mannschaft führen musst.“

Seinen einzigen und noch sehr jungen Kreisläufer Nik Dreier sieht der Dinslakener Trainer auf einem richtig guten Weg: „Nik muss weiter daran arbeiten, die Konzentration immer hochzuhalten. Ich muss viel von ihm verlangen, manchmal vielleicht auch ein bisschen zu viel. Nik ist schließlich auch erst 22 Jahre alt. Die beste Zeit für einen Kreisläufer kommt vielleicht mit 28 oder 29.“

Im Spiel gegen Dreiers Jugendverein OSC Rheinhausen gelang dem MTV am 1. Oktober nach starker Mannschaftsleistung der erste Saisonsieg. Das souveräne 30:21 brachte den Knoten zum Platzen. Fünfmal in Folge blieb Rheinwacht ungeschlagen und überraschte zweimal auswärts mit Siegen beim damaligen Spitzenreiter TSV Bonn und beim HC Gelpe/Strombach. Auch die späteren Partien in der Fremde, in Essen und in Weiden, hätten weiter gut aufgelegte Dinslakener nicht verlieren müssen. „Ja, das stimmt. Wir hätten ohne Probleme mindestens drei Punkte mehr auf dem Konto haben können, wären damit sogar Fünfter oder Vierter. Aber diese Niederlagen haben uns auch wieder gezeigt, dass wir uns ausschließlich auf unser Spiel konzentrieren müssen und nicht auf die Schiedsrichter oder die Gegner“, betont der frühere Dinslakener Spielertrainer.

In einer verrückten Liga, in der die Topteams aus Korschenbroich und Weiden bereits neun Minuspunkte kassiert haben, erwartet Marius Timofte in jedem Fall eine spannende Restrunde: „Bis zu uns kann fast jedes Team noch einmal oben angreifen, wenn es einmal einen Lauf hat. Aber genauso müssen wir auch noch nach unten schauen. Wir müssen weiter jeden Punkt holen, der möglich ist, um uns abzusichern.“

Damit der Klassenerhalt schnellstmöglich in trockenen Tüchern ist, bat der 56-Jährige seine Schützlinge schon am Mittwoch zur ersten Trainingseinheit nach Weihnachten. Erst einmal sollen die physischen Grundlagen gelegt werden, bevor es im Januar wieder an die handballerischen Feinheiten und die Vorbereitung auf den nächsten Gegner geht. Der heißt HSG Refrath/Hand und kommt 21. Januar (11.15 Uhr) in die Dinslakener Douvermannhalle.

Timo Kiwitz