HANDBALL
Im Derby regiert der pure Wille
Im Stadt-Derby zwischen dem MTV Dinslaken und der HSG Hiesfeld/Aldenrade herrschen unterschiedliche Vorzeichen – wer behält am Ende die Nerven?
Im Hinspiel bei der HSG erkämpften sich die MTVler nach schwachem Start noch ein Remis. Jonas Höffner (rechts) wird diesmal aber nicht dabei sein. Arnulf Stoffel FUNKE Foto Services
Gegensätzlicher könnten die Vorzeichen kaum sein, wenn am Samstag um 18 Uhr die Uhren in der Dinslakener Handballwelt für 60 Minuten stillstehen. Das Stadt-Derby zwischen dem MTV Rheinwacht und der HSG Hiesfeld/Aldenrade wirft seine Schatten voraus. Während die eine Seite fast aus dem Vollen schöpfen kann, gleicht die andere einem sportlichen Lazarett – und doch wissen beide Lager: Im Derby spielt die personelle Situation oft nur eine Nebenrolle, hier regiert der pure Wille. Die Ausgangslage könnte unterschiedlicher kaum sein. Bei der HSG Hiesfeld/Aldenrade hat sich das Lazarett pünktlich zum Saison-Highlight gelichtet. Bis auf die Langzeitverletzten David Fischer und Florian Jüngling kann Trainer Kevin Kirchner am Samstag fast aus dem vollen Schöpfen. „Die Jungs haben richtig Bock. Ein Derby ist und bleibt auch nach vielen Jahren immer etwas ganz Besonderes, da braucht niemand eine Extra-Motivation“, so Kirchner.
Ganz anders das Bild beim MTV. Die „Rumpftruppe“ von Trainer Robert Jakobs wird von Woche zu Woche immer kleiner. Zu den ohnehin zahlreichen Ausfällen gesellt sich nun auch noch die nächste bittere Nachricht: Routinier Maximilian Reede droht nach einem Schlag aufs Knie auszufallen. Im schlimmsten Fall stehen den Dinslakenern mit Linus Mertens und Nils Kruse nur noch zwei etatmäßige Rückraumspieler zur Verfügung. Um die letzten Kraftreserven zu mobilisieren, strich Jakobs sogar die Abschlussseinheit am Donnerstag: „Die Jungs mussten mal durchschnaufen und sich ein bisschen ausruhen“, so der MTV-Coach. Interessanterweise schlagen beide Trainer in einem Punkt die gleichen Töne an: Ein wenig Wehmut schwingt mit, wenn man auf die Tabelle blickt. „Hätten beide Mannschaften nicht so ein extremes Verletzungspech über weite Strecken der Saison gehabt, wäre das Derby am Samstag vielleicht ein Duell Zweiter gegen Dritter gewesen und hätte auch für die Tabelle nochmal eine andere Bedeutung gehabt“, sind sich Kirchner und Jakobs einig. Dass beide Mannschaften nicht in Bestbesetzung auflaufen können, bedauern beide Lager – der Attraktivität des Derbys wird das vor vermutlich ausverkaufter Halle aber keinen Abbruch tun.
Das Hinspiel endete mit einem packenden Unentschieden in letzter Sekunde – ein Ergebnis, das die Ausgeglichenheit der beiden Mannschaften unterstrich, gleichzeitig aber auch für keine der beiden Seiten so richtig zufriedenstellend war. Für Samstag hat HSG-Coach Kevin Kirchner einen ebenso simplen wie logischen Matchplan: „Unser Plan ist ganz einfach. Wir wollen am Ende ein Tor mehr werfen als der MTV“, sagt der Übungsleiter mit einem zwinkernden Auge. Robert Jakobs hingegen weiß, dass seine dezimierte Truppe an die Schmerzgrenze gehen muss, ist sich aber dennoch bewusst, dass es für die Hiesfelder alles andere als einfach werden wird, die zwei Punkte aus der Douvermannhalle zu entführen: „Wir haben in den letzten beiden Spielen gezeigt, dass wir, trotz des dezimierten Kaders, in der Lage sind, mitzuhalten. Und gerade in so einem Spiel geht es nicht um Kondition. Das Adrenalin wird schon dafür sorgen, dass die Kraft bis zum Ende reicht, ganz egal, wer auf der Platte steht.“ Einen strikten Matchplan hat Jakobs zwar nicht, sagt aber: „Ich bin gespannt, ob Hiesfelds Plan am Ende aufgeht, das werden wir dann am Ende sehen. Ich glaube aber, eher nicht.“
Dennis Lindau