HANDBALL
Durchwachsenes Derby kennt keinen Sieger
Im Dinslakener Oberliga-Derby verspielt die HSG Hiesfeld/Aldenrade gegen den MTV Rheinwacht einen klaren Vorsprung. Die Schlussphase wird ein Krimi.
Niklas Hetzel vergab in den letzten Sekunden stark bedrängt die Möglichkeit zum Sieg für die Gäste des MTV. Arnulf Stoffel FUNKE Foto Services
Es war ganz sicher kein handballerischer Leckerbissen, den die rund 250 Zuschauer in der gut gefüllten Sporthalle des Gustav-Heinemann-Schulzentrums zu sehen bekamen. Aber zumindest in den letzten 20 Minuten des ersten Dinslakener Oberliga-Derbys seit langer Zeit fehlten Emotionen und Spannung nicht. Am Ende teilten sich die gastgebende HSG Hiesfeld/Aldenrade und Nachbar MTV Rheinwacht beim 24:24 (15:10) die Punkte. Doch auch wenn die Gäste mit dem allerletzten Angriff und einem abschließenden Versuch von Niklas Hetzel sogar noch die reelle Chance auf den Sieg vergaben, mussten sich hinterher vor allem die dominant gestarteten HSG-Akteure fragen, warum sie nicht zeitig den Sack zugemacht hatten.
Beide Teams konnten am Samstag nicht ihre Bestbesetzung aufs Parkett schicken. Bei den Hausherren fehlte unter anderem mit Linkshänder Lennart Blum ein ganz wichtiger Akteur, beim MTV hatte eine Grippewelle unter der Woche bittere Folgen. Mit Max Reede und Nico Czeslik mussten zwei Leistungsträger komplett passen. Weitere Spieler konnten gesundheitlich angeschlagen nur phasenweise mitwirken.
Fehler und Nervosität
In ungewohnter Anfangsformation kam Rheinwacht dann auch gar nicht gut in die Partie, tat sich im Angriff enorm schwer, zu Durchbrüchen zu kommen und scheiterte von Außen häufig am guten HSG-Keeper Adrian Schnier. Die Hiesfelder machten da den deutlich besseren Eindruck und lagen nach einem Treffer von Ex-MTVer John Krölls nach 14 Minuten schon mit 9:3 vorne. Eine deutliche Führung, die das Kräfteverhältnis zu diesem Zeitpunkt auch durchaus korrekt widerspiegelte.
Viel deutete Mitte der ersten Hälfte nicht auf eine Wende hin, und obwohl sich die Gäste nun etwas fingen, sah die HSG zu Beginn von Hälfte zwei bei einer 17:10-Führung (33.) schon fast wie der sichere Sieger aus. Der MTV gab allerdings nicht auf, bekam in der Deckung jetzt deutlich mehr Zugriff und hatte mit dem grippegeschwächten Jan Bystron, der am Ende der ersten Hälfte für den recht glücklosen Fynn Frenk zwischen die Pfosten gekommen war, nun auch einen Rückhalt, der seinen Teil zu einer zügigen Aufholjagd beitrug.
Auch den Hiesfeldern unterliefen nun deutlich mehr Fehler im Angriff, so dass Dinslaken über Tempo auch ein paar leichte Tore gelangen. Nils Kruse, bis dahin fast gänzlich ohne Fortune, führte den MTV in dieser Phase mit vier Treffern heran. Beim 18:17 (42.) war alles schon wieder offen. Die HSG legte zwar noch einmal auf 22:19 (48.) vor, hatte seine Souveränität aber dennoch längst eingebüßt. Nach dem 24:24 von Dinslakens Marc Tomke knapp drei Minuten vor Schluss, hatten beide Nachbarn noch ihre Möglichkeiten, scheiterten dabei aber auch an ihrer offensichtlichen Nervosität.
„Am Ende haben sich beide ein bisschen dämlich angestellt“, meinte dann auch HSG-Spielmacher Bastian Schwengers, „Dinslaken hat sicher gut gekämpft und kann zum Schluss auch noch gewinnen, aber eigentlich dürfen wir dieses Spiel nicht mehr aus der Hand geben. Deshalb ist es aus meiner Sicht eher ein verlorener Punkt.“
Auch MTV-Coach Harald Jakobs war hinterher trotz geglückter Aufholjagd nicht gänzlich zufrieden: „Wir hatten leider wieder mehrere Phasen, in denen die Emotionen einfach fehlen, gerade am Anfang waren wir überhaupt nicht präsent. Ab der 35. Minute war es dann aber ein richtiges Derby. Die Jungs haben sich zurückgekämpft und den Punkt damit auch verdient.“
HSG-Rechtsaußen John Krölls, in der Vorsaison noch beim MTV in der Regionalliga am Ball, konnte sich zumindest über vier Tore und eine hundertprozentige Trefferquote freuen: „Ich war sehr motiviert und bin froh, dass ich eine ganz gute Leistung gezeigt habe. Natürlich haben wir bei sieben Toren Vorsprung alle Trümpfe in der Hand, aber das Ergebnis ist am Ende auch irgendwo gerecht. Es war auf jeden Fall ein faires Spiel, und hinterher können wir alle noch ein Bier zusammen trinken. So muss es doch sein.“
Gar nicht in der Halle war am Samstagabend übrigens Heinz Buteweg. Der langjährige Obmann des MTV, der seit dem Frühjahr für den Nachbarn HSG als Teammanager fungiert und unter der Woche noch scharfe Kritik gegenüber seinem Heimatverein Rheinwacht geäußert hatte, zog es vor, die Partie von zu Hause aus per Liveticker zu verfolgen.
MTV Rheinwacht: Bystron, Frenk, Jonas Terwiel; Tomke (7/5), Frank, Höffner (3), Lukas Terwiel (1), Ahls (2), Kruse (6), Nasufi, Jakobs, Rösgen, Schmidt (2), Mertens.
Timo Kiwitz