HANDBALL

Personalnot kostet MTV das Dinslakener Derby

 

Volle Halle, leere Bank: Vor Anpfiff war schon abzusehen, wer das Derby gewinnen würde. Doch der MTV stemmte sich gegen die Niederlage.

 

Die HSG war nach dem deutlichen Sieg in Feierlaune, während der MTV um den kurzfristig reaktivierten Dominik Loth (r.) nur gratulieren konnte. Markus Joosten FUNKE Foto Services

Die Vorzeichen waren extrem, das Ergebnis am Ende deutlich: Das Dinslakener Stadt-Derby in der Handball-Oberliga zwischen dem MTV Rheinwacht und der HSG Hiesfeld/Aldenrade endete am Samstagabend mit einem klaren 30:21 (15:10)-Sieg für die Gäste. Vor einer ausverkauften Kulisse in der Douvermannhalle wurde schnell deutlich, dass die Mittel des MTV an diesem Abend nicht ausreichten, um dem breiten Kader der HSG wirklich gefährlich zu werden, sodass das zweite Aufeinandertreffen der beiden Teams am Ende deutlich einseitiger verlief als erhofft. Für die HSG war es unter dem Strich ein verdienter Arbeitssieg, während der MTV trotz großer Moral der physischen Belastung am Ende Tribut zollen musste.

Schon vor dem Anpfiff sprachen die Bilder Bände. Während HSG-Trainer Kevin Kirchner auf eine volle Bank zurückgreifen konnte, glich die des MTV einem sportlichen Notbehelf. Bei einem Blick auf die MTV-Bank konnte fast schon ein bisschen Mitleid aufkommen. Neben nur zwei Wechselspielern – darunter der kurzfristig reaktivierte Routinier Dominik Loth, der nach sechs Jahren Abstinenz das erste Mal wieder in einem Pflichtspiel auf der Platte stand – musste der MTV zudem endgültig den Ausfall von Maximilian Reede verkraften.

HSG nutzt Fehler aus und setzt sich vor der Pause ab

Trotz der suboptimalen Vorzeichen schafften es die Hausherren, die Anfangsphase zunächst noch offen zu gestalten. Linus Mertens und Nils Kruse sorgten im Rückraum für Druck und hielten die Gastgeber bis zum Stand von 5:7 (15.) im Spiel. Im Anschluss fand die HSG dann jedoch besseren Zugriff in der Defensive und bestrafte die Fehler der Dinslakener konsequent. Tor um Tor setzten sich die Gäste ab und nahmen bereits eine komfortable Fünf-Tore-Führung mit in die Kabine.

Nach dem Seitenwechsel wurde der Unterschied in der Kaderbreite dann vollends zum spielentscheidenden Faktor. Während HSG-Coach Kevin Kirchner munter durchwechseln konnte und das Tempo hochhielt, schwanden beim MTV zusehends die Kräfte.

Zehn Minuten nach dem Wiederanpfiff war die Partie beim Stand von 22:12 für die HSG praktisch entschieden. In der Schlussviertelstunde war die Luft dann spürbar raus – sowohl auf dem Parkett als auch auf den Rängen, da die Spannung mittlerweile dem einseitigen Spielverlauf gewichen war.

Kevin Kirchner zeigte sich nach dem Schlusspfiff zufrieden, schlug aber auch faire Töne in Richtung des Gegners an. „Man hatte in der zweiten Halbzeit eigentlich zu keiner Zeit mehr das Gefühl, dass noch etwas anbrennen könnte“, bilanzierte der HSG-Übungsleiter. Dass das Derby durch die Verletzungsmisere des MTV an sportlichem Glanz verlor, bedauerte er jedoch: „Ich fand es schon schade, dass beide Teams nicht in Bestbesetzung gegeneinander spielen konnten.“

„Man darf aber auch nicht vergessen, dass der MTV in der gleichen Konstellation wenige Tage zuvor nur mit zwei Toren Unterschied gegen St. Tönis verloren hat. Daher war das heute schon eine ordentliche Mannschaftsleistung von allen Beteiligten“, so Kirchner weiter.

Auf der anderen Seite wollte auch MTV-Trainer Robert Jakobs seiner Mannschaft keinen Vorwurf machen: „Wir wussten, dass es unter den Umständen extrem schwer wird, etwas mitzunehmen. Die Jungs haben es in den ersten Minuten noch ganz gut gemacht, danach hat Hiesfeld unsere Fehler in der Offensive dann eiskalt bestraft und am Ende auch verdient gewonnen. Trotzdem kann man nicht sagen, dass die Jungs die Köpfe hängen gelassen oder nicht gekämpft haben.“

MTV Rheinwacht: Bystron, Frenk, J. Terwiel; Loth, Frank (1), L. Terwiel (1), Kruse (6), Jakobs (3), Rösgen (2), Schmidt (1), Mertens (7).

Dennis Lindau